Editorial Inhalt Abo Kontakt
             
         
 
 
   

WERTE
Wie Gesellschaften funktionieren



Archiv        
COURAGE
ONLINE >>
   
VISIONEN
ONILINE >>
   
REICHTUM
ONLINE >>
   
LEIDENSCHAFT
ONLINE >>
   

FREIHEIT
ONLINE >>

   
GLÜCK
ONLINE >>
     
AUSSGEZEICHNET
ONLINE >>
   
MACHEN WIR ES RICHTIG
ONLINE >>
     
       

  KOLUMNE
Von Forester
  Es riecht ein bisschen nach Kernseife und nach Stall. Aber es riecht nicht unangenehm. Wir sitzen an einem Tisch und essen zu Abend. Und dann geht einer an unserem Tisch vorbei. Er schleppt an einem Koffer. Und dann kommt der nächste und schleppt ebenfalls an einem Koffer. Es kommen noch weitere. Mit kleineren Kistchen und größeren Kistchen. Und alle nehmen an Tischen Platz. Und wir essen. Und dann schlägt es acht. Einer öffnet seinen Koffer und blickt hinein, so, als wolle er nachsehen, ob sich das, was sich gestern darin befunden hat, auch tatsächlich noch an seinem Ort ist. Ein Koffer nach dem anderen wird geöffnet. Es ist schon Viertel nach acht. Und einige blicken auf die Uhr. So, als wollten sie fragen: Wann beginnt das heute Abend eigentlich? Und hinten, am letzten Tisch, hört man auf einmal einen Klang und noch einen. Und die einzelnen Klänge werden zu Musik. Und alle blicken hin zu diesem Tisch und horchen und sehen und staunen. Und so beginnt jeder letzte Freitag im Monat in diesem Gasthaus. Dann greift der Nächste an einem der Tische zu seinem Instrument und beginnt zu spielen. Er trägt ein Hawaiihemd aus den Achtzigerjahren, obwohl die Hawaiihemdenzeit schon seit Jahrzehnten vorüber ist. Aber das stört an diesem Abend niemanden. Es fällt nicht einmal auf, denn die meisten tragen Kleider aus dieser Zeit. Ja, es scheint sogar, als sei die Uhr um dreißig Jahre zurückgedreht und an einem letzten Freitag im Monat in irgendeinem Jahr wieder lebendig geworden. Und dann greift eine Frau nach einer Ziehharmonika. Sie drückt die Tasten sehr langsam, so, als müsse sie zuerst überlegen, wohin sie ihre Fingerspitzen setzen soll. Das ist Absicht, höre ich jemanden vom Nachbartisch sagen. Das ist ihr Tempo. Das Tempo einer vergangenen Zeit.
Und danach spielt eine auf einer Zitter. Und kaum hat sie zu Ende gespielt, betreten ein Bauer und ein Metzger die Bühne. Der Bauer spielt die Klarinette. Das hat ihm der Postbote im Ort einmal beigebracht. Das ist lange her. Aber trotzdem erzählt er immer wieder gerne davon. Denn ihm hat er diese Leidenschaft zu verdanken. Der Metzger ist ein schweigsamer Mensch, der immer sehr skeptisch blickt. Einige sagen, man müsse ihn immer bitten, ehe er endlich aufsteht und etwas vorspielt. Das sei ein richtiger Künstler, ein Künstler, der gebeten werden wolle. Und dann stehen beide in der Mitte des Raums. Der Metzger hat ganz derbe Finger und der Bauer auch. Das kommt vom harten Anpacken. Und dann beginnen sie zu spielen. Und die derben Finger spielen auf einmal keine Rolle mehr. Und der schüchterne Metzger, der sonst immer ganz ernst blickt, lächelt auf einmal. Und ich denke mir, die Musik ist für den Bauern und den Metzger und für all die anderen, die an diesem Abend musizieren, etwas ganz Besonderes. Ihr Musizieren, sei es besonders oder gewöhnlich, ist ihre Sprache, die Sprache der Sprachlosen und Schweigsamen. Und wieder tritt die Zitterspielerin auf und danach der Metzger und der Bauer, und am Ende beginnt alles von vorne, bis nach Mitternacht.
Ein Zeitsprung, denke ich mir, zwanzig, dreißig Jahre zurück. Ein Erlebnis. Ein unglaubliches Erlebnis. Werte, die es seit hunderten von Jahren gibt und die so wichtig sind für uns alle. Mitten im Heute und mitten im Bregenzerwald.

     
    Autorinnen und Autoren
für diese Ausgabe
 

Kurt Bereuter, Paul Brotzge, Angelika Drnek, Jürgen Thomas Ernst, Christian Futscher, Janina Jörg, Babette Karner, Sarah Kleiner, Cornelius Lingg, Katharina Mähr, Helene Mira, Karlheinz Pichler, Georg Rainalter, Elke Rauth, Annette Raschner, Michael Reitz, Sara Winter Sayilir, Jürgen Schmücking, Irene Sellhofer, Franziska Tschinderle


   
    Fotografie  

Kurt Bereuter, Nicola Deslin, Michael Einkemmer, Martin Valentin Fuchs, AnnaGeorg, Anja Kaufmann, Severin Koller, Paul Kranzler, Miriam Künzli, Marion Luttenberger, Karlheinz Pichler, RLA Foundation, Alois Rüscher, Jürgen Schmücking, Christoph Schreiner, Nicola Zolin

   
             
     
   
     
  Riace und die Flüchtlinge
Ein in Agonie liegendes Dorf erfindet sich neu
Er, der Bürgermeister eines kleinen Dorfes, zeigt der Welt im Kleinen, wie Europa im Großen funktionieren könnte.
Von Karlheinz Pichler
   
   
   
       
 

„Die Union hat sich entsolidarisiert“
Freitagvormittag am Schwedenplatz. Grantige Passanten schirmen ihre Gesichter vor dem Mädchen im Greenpeace-T-Shirt ab. Jeder versucht zu vermeiden, in eine Diskussion verwickelt zu werden. Keinen Bock auf eine Patenschaft in Afrika oder eine Moralpredigt über die Abholzung der Regenwälder. Was soll ein Einzelner an dieser ungerechten Welt schon ändern? Einige Stockwerke über den Kebab- und Würstelständen steht Franz Fischler am Fenster und versucht, diese Frage aus Sicht von Europa zu beantworten. Zwischen seinen Tiroler Dialekt mischen sich englische Vokabeln und hie und da, ein wie er sagt, „EU-Chinesisch“. Fischler war der erste österreichische Kommissar in Brüssel. Heute, 21 Jahre später, droht die EU erstmals zu schrumpfen, anstatt zu wachsen.
Von Franziska Tschinderle

 
 
     
   
       
 
Von Rechts und Links
Der Brenner brennt. Ein Erklärungsversuch
Von Georg Rainalter

 
 
   
   
     
 
Die vergessenen Griechen

Während Griechenland als Synonym für Europas gescheiterte Flüchtlingspolitik gilt, kämpfen viele Griechen aufgrund der Wirtschaftskrise um die eigene Existenz. Wer kann, erfindet sich seinen Job selbst: Zahlreiche Start-ups zeigen, dass die Mittelschicht noch nicht aufgegeben hat.
Von Sara Winter Sayilir (Text) und Miriam Künzli (Fotos)
   
     
   
   
  Caritas – christliche Werte für eine Welt im 21. Jahrhundert?
Ein Gespräch mit dem Direktor der Caritas Vorarlberg, Walter Schmolly.
Von Kurt Bereuter
   
     
   
 
 

Essen bei Freunden
Im Wiener Lokal „Habibi&Hawara“ wird Solidarität und Integration gelebt. In dem orientalisch-österreichischen Restaurant wird Geflüchteten die Chance gegeben, hier beruflich Fuß zu fassen und sich ein Leben in Frieden aufzubauen. Es kochen und servieren Menschen aus aller Welt und wer einmal im „Habibi&Hawara“ gegessen hat, dem bleibt nur eins zu sagen: Sie machen das verdammt gut.
Von Sarah Kleiner

   
     
            Vom Kriegshelden zum Friedensaktivisten
"Im Bett liegend beschloss ich, dass mein Leben den Zweck – und zwar den einzigen, für den es sich zu leben lohnte – haben sollte, diesen tragischen Krieg zu einem Ende zu bringen, Frieden zwischen unseren Völkern, den Israelis und den Palästinensern, zu schließen. Es wurde mein Ziel, Leben zu schützen und Teil eines Marsches in Richtung Menschlichkeit zu werden.“
Von Michael Reitz
     
         
     
     
  Werte, Wandel und das Wanken
Der Philosoph und „unoriginelle Vermittler“ Franz Schuh gibt im Interview Antworten zu Fragen nach Werten und den Fundamenten von Gesellschaften. Dabei ließ er sich sogar kurz verunsichern.
Ein Interview mit dem Philosophen Franz Schuh.
Von Angelika Drnek
     
         
     
     
 

Weit mehr als Möbel
Mit Social Furniture forscht das Designbüro EOOS im Rahmen der Architekturbiennale an Alternativen für das Leben in Flüchtlingsunterkünften – und darüber hinaus.
Von Elke Rauth

     
         
     
     
 

„Supermarkt und Museum inspirieren mich gleichermaßen“
Bertrand Lavier im Kunstmuseum Liechtenstein

     
         
     
     
  Musik als gemeinsame Sprache
Musik unterschiedet nicht nach Religion, Sprache oder Hautfarbe.
Von Janina Jörg
     
         
     
   
   
   
 

Wo die Zeit (noch) stillsteht
Zu Besuch auf der Alpe Hutla im hintersten Teil des Großen Walsertales
Von Karlheinz Pichler

     
         
     
     
  Hirsch
Das Rotwild ist eines der eindrücklichsten Tiere des Alpenraums. Seit jeher steht der Mensch durch Jagd in Beziehung zu ihm. Im dicht besiedelten Vorarlberger Alpenraum treffen unterschiedliche menschliche Interessen im Bezug auf das Rotwild aufeinander. Es geht um Wald, Geld und zu guter Letzt um das Leben des Rotwildes.
Von Cornelius Lingg

     
         
     
     
  Werkbank
Man nehme ein Brett, schneide es zu. Besorge sich neun verzinkte Nägel und verbinde die Einzelteile zu einem Ganzen, und schon lässt es sich fein „hocken“.
VonPaul Brotzge
     
         
     
 
 



Slow Food,
die Welt und das Recht
auf Genuss

Ein Gespäräch mit Edgar Eller
Von Jürgen Schmücking

     
         
     
 
 

Wilde Schweine
und große Weine
Vom Wesen der Langhe
Von Jürgen Schmücking

     
         
     
     
  Die kulinarischen Erben der Alpen
und der Geist der Arle

Von Jürgen Schmücking
     
         
     
     
  Sinnvolles, Schickes und Schräges
Alles unter einem Dach
Für alle, die Wert auf Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und unter fairen Bedingungen hergestellte Produkte legen, gibt es inzwischen Online-Kaufhäuser mit einem breiten und nachhaltigen Sortiment.
Von Babette Karner
     
           
     
     
  „Ich glaube an Europa“
Aaron Friesz ist ein aufstrebender Theaterschauspieler in Wien. In der Flüchtlingsbewegung 2015 hat er die Initiative ergriffen und ist an die Grenzen der europäischen Mitgliedsstaaten gefahren. Dort, wo außer Zäunen und Soldaten nichts ist, hat er bei der Versorgung der zahlreichen eingekesselten Geflüchteten mitangepackt. Aaron Friesz hat sich mit uns über Werte unterhalten und darüber, wie ein politischer Rechtsruck die Gesellschaft verändert.
Von Sarah Kleiner
     
           
             
     
     
 

FILM

Kürzestfilm Festspiele
(Landjäger Magazin)
Fr, 12. August, 19.30 Uhr
Poolbar, Altes Hallenbad Feldkirch

FHV Kurzfilmabende
Do, 18. August, 19.30
Poolbar, Altes Hallenbad Feldkirch

Sture Böcke
Fr, 19. August, 21 Uhr
Filme unter Sternen, Marktplatz Rankweil (Bei Schlechtwetter im Alten Kino)


La loi du marché
Der Wert des Menschen

Sa, 20. August, 22 Uhr
Filmforum Bregenz, Metro Kino

Suffragette
Do, 25. August, 21 Uhr
Filme unter Sternen, Marktplatz Rankweil (Bei Schlechtwetter im Alten Kino)

Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen

Do, 1. September, 21 Uhr
Filme unter Sternen, Marktplatz Rankweil (Bei Schlechtwetter im Alten Kino)

     
           
     
     
  Buchbesprechung
Von Annette Raschner
Das konvivialistische Manifest
Für eine neue Kunst des
Zusammenlebens
herausgegeben von Frank Adloff und Claus Leggewie in Zusammenarbeit mit dem Käte Hamburger Kolleg / Centre for Global Cooperation Research Duisburg, übersetzt aus dem Französischen von Eva
Moldenhauer
80 Seiten, kart.
ISBN: 978-3-8376-2898-2
transcript
     
           
     
     
  Mein Wunsch
Im Himmel
Von Christian Futscher

Christian Futscher, geboren 1960 in Feldkirch, Vorarlberg, Studium der Germanistik in Salzburg. Seit 1986 lebt er in Wien, wo er eine Zeit lang einen Stadtheurigen führte. U.a. Preis des open mike der Literaturwerkstatt Berlin sowie den Dresdner Lyrikpreis.